RG Naturfotographie

Libellen fotographieren

Allgemeines

Libellen werden von manchen als "Edelsteine der Lüfte" bezeichnet. Viele von ihnen sehen schön aus - die Prachtlibellen, Smaragdlibellen, Königslibellen und wie sie alle heißen. Sie sind tolle Flugkünstler, die nicht nur sehr schnell fliegen können (bis 50 km/h), sondern auch in der Luft stehen bleiben oder auch auf der Stelle drehen können.

Ihr Aussehen, ihre Flugkünste, die feine Struktur íhrer Flügel machen sie zu einem faszinierenden Fotomotiv. Vorweg sollen aber noch 2 Fakten erwähnt werden:

  1. Libellen sind harmlos. Sie können nicht stechen und ein eventueller Biß, der aus Angst erfolgt, ist nicht schmerzhaft.
  2. Libellen stehen unter Schutz. Sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder gar getötet werden.

Ausrüstung

Wer Libellen fotographieren möchte, denkt zunächst an ein Makroobjektiv. Bei der Auswahl ist eines zu beachten: Libellen haben - wie alle andere Tiere auch - eine Fluchtdistanz. das heißt, daß sie flüchten, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Wie groß diese Distanz ist, hängt von mehreren Faktoren ab und kann nur ausgetestet werden.

Ein Makroobjektiv sollte deshalb eine längere Brennweite haben. Mit Objektiven ab 100mm ist man gut bedient. Wichtig ist die Geschwindigkeit des Autofokus, wenn fliegende Insekten fotographiert werden sollen, da manche ziemlich flott unterwegs sind.

Zu den Makroobjektiven gibt es aber eine Alternative: Teleobjektive. 300mm Brennweite, 600mm oder (mit Telekonverter) auch mehr. Eine längere Brennweite bringt eine stärkere Vergrößerung, verrringert aber auch die Schärfentiefe. Trotzdem hat eine längere Brennweite 2 Vorteile:

  1. Der Abstand zur Libelle (oder generell zum Tier) ist größer und verringert den Fluchtreflex.
  2. Oft genug ist die Libelle gar nicht erreichbar, da sie sich in einem Bereich befindet, der nicht zugänglich ist.

Reicht die Naheinstellgrenze nicht aus, so können noch Zwischenringe eingesetzt werden.

Ruhende Libellen

Ein Teil der Libellen sind "Ansitzjäger", das heißt, sie jagen ihre Beute von einem festen Platz aus und kehren immer wieder zurück. Das sind zum Beispiel die Gebänderte Prachtlibelle, der Vierfleck oder auch der Große Blaupfeil. Diese sieht man häufig auf Zweigen oder auch auf dem Boden sitzen.

Bei diesen Aufnahmen arbeite ich meistens mit einem Teleobjektiv, um Abstand zu den Tieren zu haben und sie nicht zu verscheuchen. Brennweiten ab 100mm sind hier interessant, Ich setze - je nach Entfernung durchaus auch 600m oder 840m ein... Hier muß dann berücksichtigt werden, daß eine längere Brennweite zu einer kleineren Schärfentiefe führt.

Beim Autofokus gehe ich auf einen Sensorpunkt oder maximal einen Block von neun Punkten, damit keine Störelemente den Autofokus verwirren.

Belichtungszeit und Blende hängen von der Brennweite ab. Bei einer Brennweite von 600mm stelle ich für die Belichtungszeit 1/800 s ein, meistens bei Blende 11. Der ISO-Wert wird von der Kamera eingestellt, was bei der Canon EOS 5D III relativ gut geht.

Libellen im Flug

Etwas anders sind die Verhältnisse, wenn ich Libellen im Flug fotographieren möchte. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Eine Libelle, die von einem Ansitz aus jagt, kehrt meistens auch wieder dorthin zurück. Bei Ihnen kann man die Kamera in Ruhe auf dem Stativ ausgerichtet werden und manuell fokussiert werden.
  2. Bei Libellen, die sich nicht oder nur selten absetzen, ist es sinnvoll, die Flugbahn zu beobachten. Sie variiert kaum, sodaß auch hier Möglichkeiten vorhanden sind, sie zu fotographieren. Hier arbeite ich sowohl mit als auch ohne Stativ.

Bei beiden Konstellationen bietet eine kürzere Brennweite Vorteile: einen größeren Bildwinkel und eine größere Schärfentiefe, wobei Blende 11 auf 4m bei einem Kleinbildsensor auch nur einem Schärfetiefenbereich von 10cm entspricht.

Ansitzjäger

Bei Libellen, die von einem Ansitz aus jagen, reicht eine manuelle Fokussierung, die in Ruhe vorgenommen werden kann.

Vom Stativ aus arbeite ich bei Libellen im Flug mit 1/1000s bei Blende 11 oder 16. Eine größere Öffnung schränkt den Schärfentiefebereich zu sehr ein. Eine längere Belichtungszeit kann interessant sein, wenn die Flügel eine Bewegungsunschärfe zeigen sollen.

Für Flugaufnahmen stelle ich an der Kamera "Schnelle Serienaufnahme" ein, was bei der 5D III etwa 7 Bilder pro Sekunde bedeutet.

Sobald die Libelle startet oder landet, wird mit einem Fernauslöser ausgelöst.

"Dauerflieger"

"Dauerflieger" wie die Blaugrüne Mosaikjungfer, die Braune Mosaikjungfer oder die Falkenlibelle scheinen sich tagsüber nur selten abzusetzen. Sie folgen auf ihren Patrouillenflügen aber immer den gleichen oder ähnlichen Routen. Hierauf kann man sich einrichten...

Das eingesetzte Objektiv sollte einen schnellen Autofokus haben. Da sind bei mir das Canon EF 300 f/4 oder das Canon EF 100-400 f/4,5L II die bessere Wahl als das Sigma 105 Makro.

Die Kamera wird so eingestellt, daß der Autofokus schnell reagiert und die Schärfe nachzieht. Damit ist nicht nur die AI-Einstellung gemeint, sondern auch in den Grundeinstellungen im Menü die entsprechenden Einstellungen.

Der Autofokus wird hier bei mir mit dem Auslöser getriggert, nicht wie bei anderen Aufnahmen mit der AF-ON-Taste. Anders als bei Aufnahmen sitzender Libellen, nutze ich bei diesen Flugaufnahmen alle Fokuspunkte.

Für Belichtungszeit und Blende verwende ich wieder 1/1000s und Blende 11 oder 16. Auch hier wird wieder "Schnelle Serienaufnahme" eingestellt und der Auslöser länger gedrückt...

Danach

Nach den Aufnahmen folgt noch eines: Die Auswahl.

Bei Flugaufnahmen gibt es immer mehr oder weniger Ausschuß - Aufnahmen, auf denen keine Libelle ist oder unscharfe Aufnahmen. Die werden bei mir gelöscht...